„Sieben auf einen Streich“

– Pensionierungswelle rollt am GGG –

img_3559218 Dienstjahre am Grimmelshausen Gymnasium Gelnhausen wurden auf einen Schlag in Gestalt von sieben profilierten GGG-Lehrern am letzten Schultag vor den Sommerferien im Rahmen einer Feierstunde in den Ruhestand, oder wie es im Behördendeutsch heißt, in die „Freistellungsphase der Altersteilzeit“ entlassen.

Das Kollegium des GGG hatte sich nach Zeugnisausgabe und Unterrichtsschluss in der Aula versammelt, um gleich sieben langjährige Grimmels-Lehrer auf einmal zu verabschieden: Anita Schultheis, Hermine Weber-Coy, Joachim Becke, Reinhard Heck, Winfried Jeckel, Gerd Johann und Wolfgang Schmidt.

Schulleiter Friedrich Bell gab in seiner einleitenden Rede zunächst für jeden einzelnen einen Rückblick auf dessen jeweiliges Wirken am Grimmelshausen Gymnasium.

Joachim Becke kam 1977 ans GGG, leitete dort mehrere Jahre die Englisch-Fachkonferenz und betreute den Schüleraustausch mit der schottischen Partnerstadt Kelso. Unter seiner Leitung führte die Theater-AG zahlreiche Stücke auf, so in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Musik zuletzt im Jahr 2006 die Mozart-Oper „Die Entführung aus dem Serail“. Seit 2006 leitete Joachim Becke die Wissenschaftliche Bibliothek der Schule. Aus dem Publikum heraus wurde Friedrich Bells Vortrag noch mit der Bemerkung ergänzt, dass Joachim Becke beim Lehrer-Fußball immer die mit Abstand schönste Sporthose getragen habe.

Winfried Jeckel unterrichtete ebenfalls seit den siebziger Jahren am GGG. Von Hause aus gelernter Sekundarstufe-I-Lehrer, unterstützte er lange Jahre als Finanzberater die frühere Schülerzeitung „Spektrum“.

Reinhard Heck kam 1977 aus Hamburg ans GGG. Er war so genannter Verbindungslehrer zur Schülervertretung, betreute den Wettbewerb „Schule – Wirtschaft“ und hatte den „Höllenjob“ des Medienbeauftragten inne. Nebenbei hatte Reinhard Heck noch ein Sportstudium absolviert und führte als Coach mehrere Basketballmannschaften des GGG erfolgreich bis zum Hessischen Landesentscheid.

Wolfgang Schmidt – zur besseren Unterscheidung von anderen Kollegen mit gleichem Familiennamen kurz „Bio-Schmidt“ genannt und ebenfalls seit 1977 am GGG – hinterlässt eine große Lücke unter anderem in der Theater-AG, der er seit 1986 angehörte; in lebhafter Erinnerung bleibt vor allem seine beeindruckende Abschiedsvorstellung 2008 in der Titelrolle des „Datterich“.

Darüber hinaus war Wolfgang Schmidt über lange Jahre Mitglied des Personalrats, Vorsitzender der Schulgruppe des Hessischen Philologenverbandes und über 25 Jahre Leiter der Chemiesammlung. Legendär waren in Schülerkreisen seine Unterrichtsstunden, in denen er Ochsenaugen sezieren ließ; amüsant die Anekdote, als Wolfgang Schmidt einmal ein menschliches Skelett zu Unterrichtszwecken aus dem Hauptgebäude des Grimmelshausen Gymnasiums zur damaligen GGG-Dependance am Obermarkt auf dem Beifahrersitz seines Privatwagens transportierte und eine ältere Dame, die vor ihm die Straße überquerte, dazu brachte, sich erschrocken zu bekreuzigen.

Anita Schultheis, ein echtes Gelnhäuser Urgestein, kam 1981 ans GGG. Sie gehörte zehn Jahre lang dem Schulpersonalrat an, betreute den Schüleraustausch mit Frankreich und organisierte seit 1992 den Schüleraustausch mit dem schwedischen Arvika. Anita Schultheis leitete das Sprachlabor und war seit 1994 als Leiterin der LMF-Bücherei unbestrittene „Herrin über alle Schulbücher“ in den Katakomben des Grimmelshausen Gymnasiums. Als herzerfrischend, so ergänzte Friedrich Bell, werden viele Grimmels ihre gelegentlichen deftigen Kommentare in Gelnhäuser Mundart in Erinnerung behalten wie: „Ich hab Lust aufs Korrigiern wie die Sau ans Messer“.

Hermine Weber Coy unterrichtete seit 1977 am GGG. Sie nahm als Musiklehrerin zahlreiche Chöre und Instrumentalgruppen unter ihre Fittiche und unternahm mit ihren Schülern oft Fahrten zu Konzerten. An der Feier am Freitag konnte sie krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Gerd Johann kam 1992 aus Frankfurt ans GGG und versah dort seitdem die Stelle des Stellvertretenden Schulleiters.

Für den Schulelternbeirat dankte Dr. Sabine Wigg-Wolf jedem einzelnen der sieben „Jungpensionäre“ für ihr Engagement und die geleistete Arbeit; ihr Dank war zwar individuell, aber anonymisiert ohne Namensnennung formuliert, und sie überließ es den Zuhörern als Denkaufgabe, die einzelnen Passagen ihrer Rede den sieben Personen zuzuordnen.

Till Lentze sprach für die Schülervertretung und gab erfrischende und auflockernde Ergänzungen zu den vorangegangenen Reden aus seiner Perspektive als Schüler. So kannte er Joachim Becke als den „Lehrer aus der Bibliothek mit den ausgeflippten Klamotten“ und erinnerte sich aus seinem persönlichen Unterricht bei Winfried Jeckel vor allem an die Stunden, wo es um so zentrale Themen wie den Bau von Atombomben und die Destillation von Alkohol ging. Von Hermine Weber-Coy wusste er zu erzählen, dass sie ihren Unterricht gerne einmal auch mit Techno-Beat auflockerte, und an Gerd Johann gewandt formulierte er ebenso diplomatisch wie sibyllinisch: „Ich glaube, Sie sind ein sympathischer Mensch.“

Die Mitglieder des Schulpersonalrats würdigten mit verteilten Rollen die Pensionäre auf unterschiedlichste Art: von Edith Fränkel erhielt Joachim Becke einen modischen Schal, Herbert Graf überreichte Reinhard Heck ein Buch des südamerikanischen Journalisten und Schriftstellers Eduardo Galeano. Für Winfried Jeckel hatte Philipp von Giercke mit den Sportlehrern zur Melodie des Beatles-Songs „All my loving“ ein Lied komponiert und einstudiert mit dem Refrain „All dein Wissen, Winfried, erzählst du; all dein Wissen, Winfried, wir hörn zu“. Klemens Großberger machte sich Gedanken über das Fach Chemie, und überreichte Wolfgang Schmidt ein Blumenarrangement für dessen Garten. Für Anita Schultheis führte Johannes Meissner unter großem Applaus das Puppentheater „Bücherwurm und Hausstaubmilbe“ vor, in dem zwei Handpuppen über die „Kellerassel Anita“ tratschten. Nicol Zahn schließlich überreichte Gerd Johann eine handgefertigte filigrane Halskette aus kleinen bunten Stundenplanplättchen.

Der frühere Schulleiter Heiner Kauck ergriff anschließend das Wort und lud alle Jungpensionäre zum nächsten Grimmels-Pensionärstreffen ein, das am 6.September in Großenhausen im „Spessartblick“ stattfindet.

Die Mitglieder der Schulleitung verabschiedeten sich von Gerd Johann mit einer Grafik des bekannten Künstlers Klaus Puth, die eine Szene aus Grimmelshausens „Simplizius Simplizissimus“ darstellt.

In seinem Schlusswort warf Gerd Johann einen kritischen Blick auf die Politik des Hessischen Kultusministeriums, das oft fehlende Inhalte durch Worthülsen ersetzt, wo „Lernen“ jetzt „Kompetenzerwerb“ heißt und wo die Fähigkeit, jemandem zu helfen, der etwas nicht alleine zustande bringt, ganz offiziell und ernsthaft als „Kompetenzdefizitskompensationskompetenz“ betitelt wird. Dem Schulleiter Friedrich Bell wünschte er für die kommenden Jahre Gestaltungskraft, Entscheidungsfreude und eine glückliche Hand.

Mit einem reichhaltigen Buffet im Pausenhof wurden nach dem offiziellen Teil der Feier am Grimmelshausen Gymnasium die Sommerferien eingeläutet.

Bild: (v.l.n.r.): Friedrich Bell, Gerd Johann, Wolfgang Schmidt, Anita Schultheis, Joachim Becke, Winfried Jeckel, Reinhard Heck

Bilder der Veranstaltung: