{"id":5481,"date":"2012-05-06T08:47:27","date_gmt":"2012-05-06T07:47:27","guid":{"rendered":"?p=5481"},"modified":"2015-03-13T17:16:39","modified_gmt":"2015-03-13T16:16:39","slug":"impressionen-der-auffuehrung-von-goethes-faust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/grimmels.de\/wordpress\/impressionen-der-auffuehrung-von-goethes-faust\/","title":{"rendered":"Impressionen der Auff\u00fchrung von Goethes \u201eFaust\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Bilder der Auff\u00fchrung vom Freitag, dem 4.Mai 2012:<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<h2>Fausts Hexeneinmaleins lebt an der B\u00f6rse wieder auf<\/h2>\n<p><strong><em>Theater AG des GGG begeistert mit moderner Auff\u00fchrung des Klassikers &#8211; Fusion von traditionellem Theater, Popul\u00e4rkultur und gegenw\u00e4rtiger Politik<\/em><\/strong><\/p>\n<p>(dju). Die Aula des Grimmelshausen-Gymnasiums wurde zum Schauplatz eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Spektakels: Die schuleigene Theater AG f\u00fchrte unter Leitung von Paul Ciupka und Natascha Seitz zum ersten Mal \u00f6ffentlich Goethes Faust auf. Doch wie Schulleiter Friedrich Bell in seiner Ansprache bereits vorwegnahm: \u201eWir sehen hier nicht nur ein klassisches St\u00fcck.\u201c Ciupka, Seitz und ein ganzes Team von Sch\u00fclern und Lehrern stemmten auf beeindruckende Weise die Fusion von traditionellem Theater sowie Popul\u00e4rkultur und gegenw\u00e4rtiger Politik, was vom Publikum mit stehenden Ovationen gew\u00fcrdigt wurde.<!--more--><\/p>\n<p>In der voll besetzten Aula zeigte die bunt gemischte Theatertruppe, dass auch \u201eangestaubter\u201c Stoff immer wieder neu erfunden werden kann. Ciupka erkl\u00e4rte, dass er sich entschieden hatte, auch Teile aus Faust II einzuarbeiten, um das St\u00fcck vollst\u00e4ndiger pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen, um zu zeigen, wie die Wette der beiden Protagonisten ausgeht. Die Art, wie diese Szene allerdings umgesetzt wurde, war sensationell und spannungsgeladen.<\/p>\n<p>Doch zun\u00e4chst begann das Spiel mit leisen T\u00f6nen: Das Lied \u201eHurt\u201c, geschrieben von \u201eNine Inch Nails\u201c, popul\u00e4r geworden in der Version von Johnny Cash und live am Fl\u00fcgel gespielt von Antonia Ke\u00dfler bildete den Auftakt als Fausts Thema. Der Vorhang \u00f6ffnete sich und enth\u00fcllte den dreifachen Faust im Doktorkittel. Antonia Kessler, Tassilo Hahm und Isabelle Yu teilten sich den ber\u00fchmten Faust\u2019schen Monolog \u00fcber das Streben nach Wissen und rezitierten ihn fl\u00fcssig und zackig. Im Hintergrund der zweigeteilten B\u00fchne tauchten dann gar vier Versionen von Mephisto auf: Lehrer Christopher Meyer, Hannah Hartge, Sophia M\u00fcller und Amanda Konieczna, gekleidet in roten Hosen und Hemden, langen schwarzen M\u00e4nteln und ausgestattet mit Schirm, Charme und Melone, respektive Zylinder. Das Make-up zweier Mephistos (Meyer und Hartge) war dem Joker aus dem Film \u201eBatman &#8211; The Dark Knight\u201c nachempfunden und spiegelte so auch dessen Sinn f\u00fcr Chaos in Mephistos Rolle wider. Dies wurde noch verst\u00e4rkt durch Hannah Hartges Imitation eines der Markenzeichen dieses Jokers: dem permanenten wilden Lippenlecken.<\/p>\n<p><strong>Gelungene Notl\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p>In einem Tanz umgarnten die Mephistos die F\u00e4uste wie Puppenspieler, passenderweise untermalt mit \u201eI Put a Spell on You\u201c von \u201eScreamin\u2019 Jay Hawkins\u201c, dem Thema des Mephisto. Das sollte diesen Abend noch \u00f6fter ert\u00f6nen, grandios auf dem Saxophon gespielt von Lukas Schmidt, der als Notl\u00f6sung in der Woche vor den Auff\u00fchrungen gefunden wurde, da der urspr\u00fcngliche Saxophonist ausgestiegen war. Er sollte sich als gute Wahl herausstellen. So durfte nun Mephisto seinen mindestens ebenso ber\u00fchmten Monolog halten, und die vier Schauspieler verk\u00fcndeten wie aus einem Mund: \u201eIch bin der Geist, der stets verneint.\u201c Es folgte die Wette um Fausts Seele, in blitzartiger Interaktion zwischen den Spielern. Dem Publikum blieb kaum eine Atempause, trotzdem konnte man dem dreifachen Dialog jederzeit folgen und dabei die kleinen Eigenheiten der verschiedenen Besetzungen sch\u00e4tzen lernen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Szene deutete dann in die Richtung, die die Auff\u00fchrung noch nehmen w\u00fcrde: die M\u00e4dchen und insbesondere die Sch\u00fcler vor dem Tor waren doch sehr eindeutig so gekleidet, wie man es auch gegenw\u00e4rtig auf jedem Schulhof finden w\u00fcrde. Der folgende Osterspaziergang fand auf einer Erh\u00f6hung statt, die Vorder- und Hinterb\u00fchne teilte und dadurch f\u00fcr mehr Spieltiefe sorgte. Ein Augenzwinkern in Richtung moderne Technik war dann der \u201eZauberspiegel\u201c: Heinrich Faust durfte einen Blick auf ein iPad werfen, das ein Bild von der sch\u00f6nsten aller Frauen zeigte: Diane Kruger als Helena von Troja. Das Mephisto-Duo Meyer\/Hartge spielte anschlie\u00dfend brillant die Verlockung von Faust bevor Gretchen alias Theater-AG Neuling Mahalia Slisch die B\u00fchne betrat. Von Unerfahrenheit war allerdings keine Spur, Slisch ging in ihrer Rolle auf und spielte Gretchen intensiv und emotional, im Verlauf des St\u00fcckes zerrissen zwischen Wahnsinn und Verzweiflung. Aufgelockert wurde die Auff\u00fchrung immer wieder durch kleine Tanzschritte oder musikalische Intermezzi w\u00e4hrend der Szenenwechsel.<\/p>\n<p>Der kaiserliche Hof wurde repr\u00e4sentiert durch den Bundestag, mit einem Finanzminister im Rollstuhl, der, ganz im Tenor der gegenw\u00e4rtigen Politik verk\u00fcndete: \u201eWir wollen alle Tage sparen.\u201c Auch zu Goethes Zeiten war die finanzielle Lage eben nicht immer rosig. Da Faust aber nun mal einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte, wurde durch die Einf\u00fchrung des Papiergeldes die Armut beseitigt. Was nun folgte, war schlichtweg sensationell. Auf den B\u00fchnenhintergrund wurde eine Videoanimation im Stile der \u201eMatrix\u201c projiziert, anstatt Zahlenkolumnen wanderten allerdings Dollarzeichen \u00fcber den Bildschirm. Es ert\u00f6nten klingelnde Telefone und der Sturm brach los. B\u00f6rsianer, bekleidet mit Clownsmasken wanderten durch die Zuschauerreihen, warfen B\u00fcndel von Geldscheinen in die Menge und beschworen das Hexeneinmaleins, w\u00e4hrend die Projektion nun f\u00fcr Hedgefonds und andere finanzielle Produkte warb. Dazu dr\u00f6hnte aus den Boxen die hektische Elektro-Rock-Nummer \u201eFirestarter\u201c von \u201eThe Prodigy\u201c, um den Effekt zu verst\u00e4rken. Als schlie\u00dflich alle B\u00f6rsianer an der B\u00fchne versammelt waren, wandelte sich die Szene wiederum und die Bez\u00fcge zu Christopher Nolans Film wurden komplettiert: An der Wand war ein Berg von brennenden Geldb\u00fcndeln zu sehen, ein Ausschnitt aus dem Film, und die entsprechende Musik beschallte die im Vordergrund dargestellte hemmungslose Dekadenz der B\u00f6rsianer. Unerwartet tauchte auf der hinteren B\u00fchne die Occupy-Bewegung auf, bewaffnet mit Transparenten und den obligatorischen Guy-Fawkes-Masken, w\u00e4hrend die systemkritischen \u201eRage Against the Machine\u201c aus den Boxen erklangen. Die Action entlud sich dann in einer dramatischen Szene, in der Faust Gretchens Geist entdeckte, was den Zuschauern eine kleine Verschnaufpause nach dem multimedialen Spektakel bot.<\/p>\n<p>Den Abschluss machte eine dreigeteilte Szene, im Hintergrund klagte Faust einem Mephisto-Duo sein Schicksal, im Vordergrund diskutierte das zweite Mephisto-Duo, und der Mittelpunkt der B\u00fchne wurde von der tragischen Figur des alten Fausts eingenommen, wunderbar von dem daf\u00fcr pr\u00e4destinierten Lehrer in Altersteilzeit Wolfgang Schmidt dargestellt. \u201eWerd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so sch\u00f6n! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde geh\u2019n!\u201c versprach Faust in der Wette und so geschah es. Als der Vorhang fiel, \u00e4u\u00dferte auch das Publikum den Wunsch, der Augenblick m\u00f6ge verweilen und belohnte Schauspieler und Crew f\u00fcr ihre M\u00fchen mit tosendem Applaus. Selbst der Ruf nach einer Zugabe wurde erh\u00f6rt: Lukas Schmidt lie\u00df sich zu einem kurzen Saxophonsolo hinrei\u00dfen, spielte eine der bekanntesten Melodien f\u00fcr Saxophon aus George Michaels \u201eCareless Whisper\u201c. Auch Regisseur Ciupka zeigte sich nach der Vorstellung weitgehend zufrieden, \u201ebis auf eine kleine technischen Panne am Ende\u201c: Jemand hatte aus einem Tonger\u00e4t den Stecker gezogen. Wirklich aufgefallen ist es niemandem<\/p>\n<p>(Quelle: \u201eGelnh\u00e4user Tageblatt\u201c 8.5.2012)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bilder der Auff\u00fchrung vom Freitag, dem 4.Mai 2012: Fausts Hexeneinmaleins lebt an der B\u00f6rse wieder auf Theater AG des GGG begeistert mit moderner Auff\u00fchrung des Klassikers &#8211; Fusion von traditionellem Theater, Popul\u00e4rkultur und gegenw\u00e4rtiger Politik (dju). 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