{"id":8633,"date":"2014-05-08T19:40:46","date_gmt":"2014-05-08T18:40:46","guid":{"rendered":"?p=8633"},"modified":"2014-05-08T19:40:46","modified_gmt":"2014-05-08T18:40:46","slug":"leonce-und-lena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/grimmels.de\/wordpress\/leonce-und-lena\/","title":{"rendered":"Theater-AG pr\u00e4sentiert  \u201eLeonce und Lena\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Theater AG des  Grimmelshausen Gymnasiums f\u00fchrt unter der Leitung von Paul Ciupka,  Christine Heinrich und Kathrin Kascha am\u00a0 Freitag, dem 23.Mai und am  Samstag, dem 24.Mai 2014 jeweils um 20.00 Uhr in der Aula\u00a0des GGG das  St\u00fcck \u201eLeonce und Lena\u201c auf, das frei nach Georg B\u00fcchner gestaltet  wurde. Die Rolle des Leonce spielt Roger Wilhelm, die Lena wird  dargestellt von Mahalia Slisch. Die musikalische Leitung hat Felix  Rogge. Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<p><em>Leonce und Lena<\/em> ist auf den zweiten Blick viel autobiographischer, als es auf den ersten Blick scheint. B\u00fcchner hatte wenig Zeit f\u00fcr sein Lustspiel und wu\u00dfte das auch. Er durfte nicht wochenlang nachdenken, er mu\u00dfte beherzt nehmen, was ihm gerade einfiel. Auch vertraute er seinen Einf\u00e4llen und rechnete fest mit ihnen. Viele waren von k\u00fcrzer oder l\u00e4nger zur\u00fcckliegenden Lekt\u00fcren gespeist, das war ihm halb bewu\u00dft, aber so genau wollte er das gar nicht wissen. Andere kamen aus seiner Seele, die das hergab, was sie eben besch\u00e4ftigte. Dazu geh\u00f6rten Sorgen, \u00c4ngste und Schuldgef\u00fchle. Er sorgte sich um seine <!--more-->Freiheit, weil er seine romantische Liebe in eine prosaische Ehe zu verwandeln sich anschickte. Er \u00e4ngstigte sich immer noch vor der Polizei. Schuldig f\u00fchlte er sich bisweilen, wenn er seine hochm\u00fctigen Angriffe auf den Staat bedachte.<\/p>\n<p>Wenn ihn ein Einfall aufschreckte und er danach fa\u00dfte, hatte er immer wieder einen Zipfel vom Tuch dieser drei Alptr\u00e4ume in der Hand. Er mu\u00dfte ihn im Patchwork seines Lustspiels vern\u00e4hen, zwischen den Wortspielen und den Lekt\u00fcrefr\u00fcchten, &#8211; das war seelisch wohltuend, das verlangten die Eile und eine innere Notwendigkeit, die sich nicht darum k\u00fcmmerte, wo die Flicken und Schnipsel herkamen.<\/p>\n<p>Wollte er wirklich heiraten? Das war der erste Alptraum. Die Frage besch\u00e4ftigte ihn, obgleich er sich Minna doch l\u00e4ngst versprochen hatte. Heiraten, das hie\u00df doch <em>einen Ziehbrunnen leertrinken<\/em>. W\u00fcrde die Liebe, wenn er mit Minna <em>mittels des Ehesegens zusammengeschmiedet<\/em> w\u00e4re, nicht entarten zur ehelichen Pflicht? Immer nach dem Uhraufziehen zu absolvieren wie in Laurence Sternes Roman? <em>O Shandy, alter Shandy, wer mir deine Uhr schenkte,<\/em> dachte er zweideutig. Ein solches Leben, das w\u00e4re der Tod! Minna war eine Frau, aber sie war auch der Tod. Nein, das war unfair. Heiraten hie\u00df vielmehr <em>Leben und Liebe eins sein lassen<\/em>, so da\u00df <em>die Liebe das Leben<\/em> sei und <em>das Leben die Liebe<\/em>. Er schrieb es auf. War Heiraten vielleicht doch etwas ganz Gro\u00dfes, die zeitliche Liebe in die ewige verwandelnd? Nein, es war spie\u00dfb\u00fcrgerlich. Man heiratete der Leute wegen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">Hermann Kurzke: Georg B\u00fcchner. Geschichte eines Genies. M\u00fcnchen 2013, S.398-399<\/span><\/p>\n<p><strong>Bemerkungen zu unserem Theaterprojekt<\/strong><\/p>\n<p><em>ALFIERI: e la fama? GOZZI: e la fame?<\/em> &#8211; mit dieser \u201eVorrede\u201c, mit der Beschw\u00f6rung von Ruhm und Hunger beginnt B\u00fcchners Lustspiel. Bis heute konnte nicht nachgewiesen werden, dass B\u00fcchner hier tats\u00e4chlich den italienischen Trag\u00f6diendichter Vittorio Alfieri (1749-1803) zitiert; das zweite Zitat schlie\u00dflich stammt nicht von Alfieris bekannterem Zeitgenossen, dem Lustspieldichter Carlo Gozzi, sondern von Gozzis g\u00e4nzlich unbekannten Bruder Gasparo Gozzi (1717-1785). Die Vorrede verweist auf den romantischen Traum von Italien, den Sehnsuchtsort von Leonce und Valerio, und zugleich auf den Autor selbst: Lebenshunger und Existenz\u00e4ngste, der Wunsch und die Hoffnung, als Naturwissenschaftler oder als Dichter Anerkennung zu finden, das sind B\u00fcchners Antriebskr\u00e4fte in seiner letzten, hektischen Lebensphase im Stra\u00dfburger und Z\u00fcricher Exil. Als auf die Geldzuweisungen der Familie angewiesener politischer Fl\u00fcchtling, der in Stra\u00dfburg unter widrigen Umst\u00e4nden seine Doktorarbeit schnell zu Ende f\u00fchrt, um im freien Z\u00fcrich eine Universit\u00e4tskarriere anzustreben, beteiligt sich B\u00fcchner nur allzu gern an dem von der renommierten Cotta\u00b4schen Buchhandlung am 16.Januar 1836 ausgesetzten Wettbewerb f\u00fcr das beste Lustspiel. Das Preisgeld von 300 Gulden, eine f\u00fcr die damaligen Verh\u00e4ltnisse au\u00dferordentlich hohe Summe, h\u00e4tte B\u00fcchner gut gebrauchen k\u00f6nnen (\u201ee la fame?\u201c) und der Gewinn h\u00e4tte seiner Reputation als Dramatiker ausgerechnet beim Hausverlag der Weimarer Klassiker gut getan (\u201ee la fama?\u201c), wurde sein Dramenerstling \u201eDanton\u00b4s Tod\u201c doch von der konservativen Literaturkritik als \u201eFerkeldrama\u201c (Wolfgang Menzel) abgeurteilt. Daraus sollte allerdings nichts werden: B\u00fcchner schickt das Manuskript erst am 17.Mai 1836 von Stra\u00dfburg aus los, zwei Tage zu sp\u00e4t, und erh\u00e4lt sein Schreiben postwendend unge\u00f6ffnet zur\u00fcck.<\/p>\n<p>In \u201eLeonce und Lena\u201c l\u00e4sst sich all das wiederentdecken, was den gescheiterten Revolution\u00e4r, den erfolglosen Dramatiker und angehenden Naturwissenschaftler Georg B\u00fcchner innerlich bewegt: Seine Emp\u00f6rung \u00fcber die reaktion\u00e4ren Zust\u00e4nde im Gro\u00dfherzogtum Darmstadt, seine Entt\u00e4uschung \u00fcber das Scheitern seiner Hoffnungen, die politischen Missst\u00e4nde gewaltsam \u00e4ndern zu k\u00f6nnen, seine \u201eMelancholie\u201c  (wie w\u00fcrden heute sagen: seine Depression), ausgel\u00f6st durch den Druck der Familie, vor allem des Vaters, den vorgezeichneten Weg einer b\u00fcrgerlich-akademischen Existenz einzuschlagen und die inzwischen von der Familie akzeptierte Braut Minna Jaegl\u00e9 zu heiraten. \u201eWas die Leute nicht Alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich aus Langeweile&#8230;\u201c &#8211; hinter diesem Lamento des melancholischen Prinzen Leonce vom Reiche Popo l\u00e4sst sich unschwer der Autor selbst erkennen und sein Horror davor, zur \u201eDrahtpuppe\u201c famili\u00e4rer und gesellschaftlicher Erwartungen zu werden.<\/p>\n<p>Was hat uns dazu bewegt, B\u00fcchners Lustspiel zu inszenieren? In den Vorbesprechungen f\u00fcr unser diesj\u00e4hriges Theaterprojekt einigten wir uns auf das Thema jugendliche Selbstfindung: Wie erleben Jugendliche den Prozess, in Abgrenzung zur \u00e4lteren Generation eigene Vorstellungen vom Leben zu entwickeln und zu realisieren? Dieser Aspekt hat uns an B\u00fcchners \u201eLeonce und Lena\u201c interessiert und auf diesen Aspekt haben wir uns in unserer Fassung des St\u00fccks konzentriert. Was dabei ausgeblendet bleibt, ist die politische Satire, die Kritik an Elend und Armut in einem Duodezf\u00fcrstentum zu Beginn des 19.Jahrhunderts, dessen Landesgrenzen so eng gesteckt sind, dass vom Schloss aus beobachtet werden kann, wenn \u201eJemand an der Nordgrenze spazieren\u201c geht und dessen Landeskinder sich am Bratenduft aus der Schlossk\u00fcche sattriechen m\u00fcssen. Leonce und sein Mit- und Gegenspieler Valerio sind zwei junge Menschen, die das Korsett gesellschaftlicher Vorgaben und eines von der \u00e4lteren Generation vorgepr\u00e4gten Lebens sprengen wollen. Auf der Suche nach einem anderen, alternativen Leben fliehen sie in \u201eden S\u00fcden\u201c, dem nebul\u00f6sen Sehnsuchtsort aller unverbesserlichen romantischen Sinnsucher. Am Ende &#8211; und das ist die bittere Ironie der Geschichte &#8211; gelangen sie wieder dorthin zur\u00fcck, von wo sie einmal aufgebrochen sind, und es bleibt offen, ob nun \u201eder Spa\u00df noch einmal von vorne\u201c beginnt oder ob Valerios utopische Visionen realisiert und \u201ealle Uhren zerschlagen\u201c und \u201ealle Kalender\u201c verboten werden. Immerhin \u00fcberl\u00e4sst B\u00fcchner dem notorischen Optimisten Valerio die Schlussworte. In dem Trio Leonce, Valerio und Lena l\u00e4sst B\u00fcchner all die Eigenheiten und Eigenarten aufblitzen, die f\u00fcr die Zeit der Jugend typisch sind: Valerio meist \u201ehimmelhoch jauchzend\u201c und Leonce und Lena meist \u201ezu Tode betr\u00fcbt\u201c. W\u00e4hrend das Liebespaar Leonce und Lena immer auf dem schmalen Grat zwischen Langeweile und Gl\u00fccksverlangen, zwischen Liebes- und und Todessehnsucht entlangwandelt, vertritt Valerio stets die ungeb\u00e4ndigte Lust am Leben; und entsprechend ist es dann auch Valerio, der Leonce vor dem Sprung in den Tod abh\u00e4lt. Alle drei sind keine Idealfiguren, sondern zeigen all die Egozentrik, \u00dcberspanntheit, Ma\u00dflosigkeit, Unverfrorenheit und Frechheit, die nun einmal Jugendlichen eigen ist: \u201eEs steckt nun aber doch einmal ein gewisser Genu\u00df in einer gewissen Gemeinheit&#8230;\u201c                                                     Paul Ciupka<\/p>\n<p><strong>Spieler: <\/strong>LEONCE: Roger Wilhelm    LENA VON PIPI: Mahalia Slisch      VALERIO: Jessica Erlebach  K\u00d6NIG PETER VON POPO: Jan Pospischil     K\u00d6NIGIN: Amanda Konieczna    LENAS MUTTER: Selina Pudell      ROSETTA: Marei Debertin     STAATSSEKRET\u00c4RIN: Alina Geilich    FINANZMINISTER: Christoph Wies      INNENMINISTER: Mareike Berk    AUSSENMINISTER: Jana Laska    WIRTSCHAFTSMINISTER: Pascal Marggraf    PREDIGER:  Sean Vogel<\/p>\n<p><strong>Regieteam: <\/strong>LICHT- UND TONREGIE: Moritz Englisch, Laura Johann, Nicolaus Klein, Kai Lippmann, Anika Schm\u00fctz        CHOREOGRAFIE: Lena Esch, Sarah Holzmann       MUSIKALISCHE LEITUNG: Felix Rogge   REQUISITE: Kathrin Kascha     SZENARIO:  Paul Ciupka       SPIELLEITUNG: Paul Ciupka, Christine Heinrich, Kathrin Kascha<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Theater AG des Grimmelshausen Gymnasiums f\u00fchrt unter der Leitung von Paul Ciupka, Christine Heinrich und Kathrin Kascha am\u00a0 Freitag, dem 23.Mai und am Samstag, dem 24.Mai 2014 jeweils um 20.00 Uhr in der Aula\u00a0des GGG das St\u00fcck \u201eLeonce und Lena\u201c auf, das frei nach Georg B\u00fcchner gestaltet wurde. 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