{"id":8711,"date":"2014-05-20T14:00:12","date_gmt":"2014-05-20T13:00:12","guid":{"rendered":"?p=8711"},"modified":"2015-02-01T09:43:19","modified_gmt":"2015-02-01T08:43:19","slug":"das-faehnlein-der-sieben-aufrichtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/grimmels.de\/wordpress\/das-faehnlein-der-sieben-aufrichtigen\/","title":{"rendered":"Das F\u00e4hnlein der sieben Aufrichtigen"},"content":{"rendered":"<p>G e l n h a u s e n . Es ist eine Reise in eine andere Zeit. In eine Zeit, als Abiturienten noch Oberprimaner hie\u00dfen. Als Lehrer noch Schlips und Anzug trugen und \u201eFr\u00e4ulein\u201c die \u00fcbliche Anrede einer unverheirateten Lehrerin war. Am Grimmelshausen-Gymnasium war es die Zeit des \u201eF\u00e4hnleins der sieben Aufrichtigen\u201c. Vor 50 Jahren legten dort sieben junge M\u00e4nner ihre Abiturpr\u00fcfungen ab. Es war die kleinste Abi-Klasse in Hessen \u2013 wahrscheinlich aller Zeiten. Gestern haben sich die ehemaligen Grimmels in der Stadt ihrer Jugend wiedergetroffen.ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p>Von David Noll, 50 Jahre Abitur am GGG: Die wohl kleinste Abi-Klasse Hessens erinnert sich<\/p>\n<p>Helmut Lebeau und J\u00fcrgen Petzoldt bl\u00e4ttern durch einen Schnellhefter. Darin haben die ehemaligen Grimmels zum 40. Jahrestag ihres Abiturs unterschiedlichste Erinnerungen gesammelt: jede Menge alte Fotos, Kritzeleien aus dem Unterricht und Anekdoten aus der Schulzeit. Immer wieder deuten Lebeau und Petzoldt auf einzelne Bilder: \u201eWar das in Physik?\u201c, fragt Petzoldt. \u201eNein, ich <!--more-->glaube in Chemie\u201c, vermutet Lebeau beim Blick auf das alte Schwarzwei\u00df-Foto. Der 69-j\u00e4hrige Lebeau hat das Klassentreffen des \u201eF\u00e4hnleins der sieben Aufrichtigen\u201c\u00a0 organisiert. Der ungew\u00f6hnliche Name ist die augenzwinkernde Selbstbeschreibung der Klasse O1b, wie die damals g\u00e4ngige Bezeichnung lautete. Lediglich sieben Sch\u00fcler legten in dieser Klasse ihre Abiturpr\u00fcfungen ab. Ein reiner M\u00e4nner- Trupp. \u201eEs gibt einen Klassenkameraden, der regelm\u00e4\u00dfig wettet, dass wir die kleinste Abiturklasse aller Zeiten waren. Bisher hat er die Wette stets gewonnen\u201c, erz\u00e4hlt Lebeau lachend. Die Geschichte des Abiturjahrgangs 1964 ist auch die Geschichte der Entwicklung des Grimmelshausen-Gymnasiums. \u201eIn der f\u00fcnften Klasse wurden wir noch in den Baracken unterrichtet\u201c, erinnert sich Lebeau. Anschlie\u00dfend zogen die Sch\u00fcler mit Klassenlehrer Dr. Georg Beck an den Obermarkt in die ehemalige Augusta Schule. 1959 war die Beck- Truppe dann eine der ersten Klassen, die in den damaligen Neubau (das heutige Geb\u00e4ude A) am jetzigen GGG-Standort zogen. Anders als heute mussten die Sch\u00fcler ihren Weg in die Schule noch selbst bewerkstelligen. An einen Schulbus verlor in den fr\u00fchen 60er Jahren noch niemand einen Gedanken. Die meisten Sch\u00fcler der O1b kamen morgens mit dem Zug. So auch der damals in W\u00e4chtersbach lebende Helmut Lebeau und der jeden Morgen aus Bad Orb anreisende J\u00fcrgen Petzoldt. \u201eWir sind jeden Tag zu Fu\u00df vom Bahnhof an den Obermarkt gelaufen. Kein Wunder, dass niemand aus der Klasse mit Gewichtsproblemen zu k\u00e4mpfen hatte\u201c, erz\u00e4hlt Lebeau. In den alten R\u00e4umen in der Augusta-Schule erinnerte damals nicht viel an Schule, wie man sie heute kennt. Statt Gasoder \u00d6lheizung sorgten Holz\u00f6fen f\u00fcr die richtige Temperatur. \u201eWir haben immer wieder Kerzen auf die \u00d6fen gelegt, die dann geschmolzen sind und furchtbar gestunken haben\u201c, erinnert sich Lebeau lachend Auch sonst schien die Stimmung in der Klasse damals gut gewesen zu sein. So mancher Scherz hat sich noch nach Jahrzehnten ins Ged\u00e4chtnis der Sch\u00fcler eingebrannt. So werden sich einige Passanten am Obermarkt manchmal gewundert haben, wenn aus jugendlichem \u00dcberschwang nasse Schw\u00e4mme durch die offenen Fenster flogen. Viel Zeit verbrachten die angehenden Abiturienten damals in der Turnhalle. Auch heute ist der Raum noch gut besucht \u2013 allerdings eher aus kulturellen, denn aus sportlichen Gr\u00fcnden. Wo fr\u00fcher die Sch\u00fcler an Barren oder Reck turnten, tauchen die Besucher heute im Museum in die Grimmelshausen- Welt ein. Ebenso geschichtstr\u00e4chtig ist ein Raum \u00fcber der damaligen Turnhalle, der eigentlich nicht gr\u00f6\u00dfer als eine Rumpelkammer ist. Dort gr\u00fcndete die Klasse den noch heute am GGG beliebten Jazzkeller. \u201eWir waren quasi die Erfinder des Jazzkellers\u201c, sagt Petzoldt. Joachim Fischinger, ein anderer Klassenkamerad der aufrichtigen Sieben und Verwandter der beiden gleichnamigen \u00a0Trickfilmpioniere, spielte auf seinem selbst gebauten Bass. \u201eDas war eine tolle Zeit\u201c, erinnert sich Petzoldt. Im Fr\u00fchjahr 1959 erfolgte schlie\u00dflich der Umzug in den Neubau. Damals bestand das GGG noch lediglich aus einem kleinen Grundgeb\u00e4ude, das etwa 700 Sch\u00fclern Platz bot. Das Klassenzimmer befand sich damals in einem kleinen Raum, der eigentlich als Schulbibliothek ausgelegt war. Vollgestopft mit B\u00fcchern, aber alternativlos. \u201eDadurch konnten wir uns nicht einmal damit herausreden, dass wir unsere B\u00fccher vergessen hatten\u201c, scherzt Lebeau. W\u00e4hrend sich die Geb\u00e4ude von au\u00dfen und innen in den vergangenen f\u00fcnf Jahrzehnten stark ver\u00e4ndert haben, scheint der Unterricht selbst vor 50 Jahren nicht viel anders abgelaufen zu sein als heute. \u201eEs gab noch nicht das Kurssystem von heute, aber ansonsten war der Schulalltag nicht viel anders\u201c, meint Petzoldt. Auch die Lehrer seien nicht strenger gewesen. \u201eEs war teilweise sogar sehr locker\u201c, erg\u00e4nzt Lebeau. So haben die jungen M\u00e4nner vor allem ihrem beliebten\u00a0 Klassenlehrer Dr. Georg Beck gerne Streiche gespielt. \u201eEinmal hatten wir uns im Klassenraum eingeschlossen. Als wir ihn schlie\u00dflich reinlie\u00dfen, war er zun\u00e4chst so sauer, dass er seine Aktentasche von der T\u00fcr auf sein Pult geschleudert hat\u201c, schmunzelt Petzoldt. Nachhaltig ver\u00e4rgert haben sie ihren Klassenlehrer damit wohl nicht \u2013 im Gegenteil. Nach dem Abitur feierte die Klasse gemeinsam mit Beck in dessen Haus. Auch eine Widmung des langj\u00e4hrigen GGG-Lehrers im Abibuch der \u201eO1b\u201c zeigt, wie verbunden Lehrer und Sch\u00fcler einander waren (siehe Kasten). So wundert es nicht, dass die Klassenkameraden bei ihrem gestrigen Treffen zuerst den Friedhof besuchten, auf dem ihr ehemaliger Lehrer seine letzte Ruhe gefunden hat. Anschlie\u00dfend lie\u00dfen sich die Ex-Grimmels von J\u00fcrgen Steigerwald durch das \u201eneue Gelnhausen\u201c in den ehemaligen USKasernen im Herzbachtal f\u00fchren, ehe nat\u00fcrlich der obligatorische Besuch im Grimmelshausen-Gymnasium anstand.<\/p>\n<p><em>Quelle: GNZ, 20.5.2014 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G e l n h a u s e n . Es ist eine Reise in eine andere Zeit. In eine Zeit, als Abiturienten noch Oberprimaner hie\u00dfen. Als Lehrer noch Schlips und Anzug trugen und \u201eFr\u00e4ulein\u201c die \u00fcbliche Anrede einer unverheirateten Lehrerin war. 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