{"id":8759,"date":"2014-06-02T13:47:44","date_gmt":"2014-06-02T12:47:44","guid":{"rendered":"?p=8759"},"modified":"2014-06-02T13:47:44","modified_gmt":"2014-06-02T12:47:44","slug":"vereint-im-schicksal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/grimmels.de\/wordpress\/vereint-im-schicksal\/","title":{"rendered":"Vereint im Schicksal"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/grimmels.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/leonce2014.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-8760\" title=\"leonce2014\" src=\"https:\/\/grimmels.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/leonce2014-150x66.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"66\" \/><\/a>PREMIERE Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums entf\u00fchrt B\u00fcchners \u201eLeonce und Lena\u201c in die Neuzeit<\/p>\n<p>GELNHAUSEN. Wer den Leiter der Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums (GGG), Paul Ciupka, kennt, der wei\u00df, was ihn erwartet: Alles, nur keine Langeweile. Diese plagt allerdings Leonce, seines Zeichens Protagonist von Georg B\u00fcchners \u201eLeonce und Lena\u201c, das Ciupka in diesem Jahr inszenierte, in der Spielleitung unterst\u00fctzt von Christine Heinrich und Kathrin Kascha. Am Wochenende fiel der Vorhang. Sabine Hartmann, Fachbereichsleiterin Sprachen, begr\u00fc\u00dfte das Publikum in der nicht voll besetzten Aula und dankte allen Beteiligten <!--more-->und Unterst\u00fctzern, insbesondere den Ehemaligen, f\u00fcr ihren Einsatz. Weiterhin zollte sie der Leistung der Sch\u00fcler allen Respekt, da einige von ihnen mitten in der Abiturphase stehen \u2013 in dieser Woche stehen m\u00fcndliche Pr\u00fcfungen an. Sie haben keine Zeit f\u00fcr Langeweile. Anders als Leonce, in dessen Figur B\u00fcchner seine eigenen Erfahrungen und \u00c4ngste kanalisierte. So hei\u00dft es gleich zu Beginn: \u201eWas die Leute nicht alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich aus Langeweile.\u201c In einer albtraumhaften Sequenz erwacht Leonce (Roger Wilhelm) inmitten von bewusst minimalistischer Kulisse, umringt von schwarz gekleideten gesichtslosen Gestalten. Stroboskoplicht und monotone elektronische Musik unterstreichen die beklemmende Stimmung. Seine \u00c4ngste werden klar aufgez\u00e4hlt, die gr\u00f6\u00dfte: eine vorbestimmte Braut heiraten zu m\u00fcssen und als Drahtpuppe, Marionette eines rigiden Systems zu enden. Mit dem Auftreten von Valerio (Jessica Erlebach), seinem unerm\u00fcdlich optimistischen Gegenpol, verschwinden die Nachtgespenster. Leonce klagt ihm sein Leid. \u201eEinmal anders sein zu k\u00f6nnen\u201c, das ist sein Wunsch. Warum dann in einer Welt der Vernunft \u201enicht mal irren\u00e4rrisch sein?\u201c, hinterfragt Valerio und setzt damit den Ton f\u00fcr den weiteren Fortgang. Valerios freche, offen zur Schau gestellte Extravaganz reibt sich heftig mit Leonce und dessen Oszillieren zwischen Selbstmitleid, Ennui und Euphorie. In Schieflage Als kom\u00f6diantisches Zwischenspiel dient K\u00f6nig Peter von Popo \u2013 Leonces Vater (Jan Pospischil) \u2013 mit seinem Hofstaat.\u00a0 Hilflos steht er nur in Unterw\u00e4sche auf der B\u00fchne und sinniert \u00fcber das politische Tagesgesch\u00e4ft. Seine Frau (Amanda Konieczna) erst hilft ihm tatkr\u00e4ftig dabei, seine Kleidung anzulegen. Mit feinem Wortwitz bezieht der K\u00f6nig dabei die Lage des politischen K\u00f6rpers auf seine eigene, so redet er etwa vom \u201eSystem in Schieflage\u201c, als er auf einem Bein stehend versucht, einen Schuh anzuziehen. Die Unf\u00e4higkeit, einfachste T\u00e4tigkeiten in seinem Zustand offensichtlicher Konfusion zu erledigen, wird dabei wiederholt kontrastiert mit seiner v\u00f6llig \u00fcberzeugten Darbietung typischer politischer Floskeln der Gegenwart. Hier hat Ciupka beim Schreiben B\u00fcchners Geist aus dem engen Gro\u00dfherzogtum Darmstadt der Vergangenheit in das heutige Deutschland transportiert. An die Stelle von politischen Anspielungen, die, so Ciupka, \u201eheute keiner mehr verstehen w\u00fcrde\u201c, traten Fragmente aus Reden von Angela Merkel. Bemerkenswert ist in Ciupkas Auff\u00fchrungen immer auch die \u00fcberlegt eingesetzte Musik: Jedem Charakter wird ein \u201eThema\u201c zugeordnet. In diesem St\u00fccke \u00fcberwiegt die melancholische Seite der 00er\/90er Jahre mit Peter Gabriels \u201eDarkness\u201c (Leonce), \u201eOnce in a lifetime\u201c von den Talking Heads (Valerio) sowie \u201eLullaby\u201c von The Cure (Lena). Doch auch jenseits von eingespielter Musik geht es auf der B\u00fchne klanglich hoch her. Leonces Geliebte, Rosetta, sitzt alleine im Scheinwerferlicht, mit einer \u00a0Akustikgitarre, w\u00e4hrend der gelangweilte Prinz auf der B\u00fchne symbolisch seine Liebe f\u00fcr sie begr\u00e4bt. Sie singt die Hymne der \u201eGeneration X\u201c, \u201eSmells like teen spirit\u201c von Nirvana. \u201eHere we are now, entertain us\u201c, hei\u00dft es da treffend. Ganz ohne L\u00e4rm, zart, voller Gef\u00fchl und Verzweiflung tr\u00e4gt Rosetta (Marei Debertin) das Lied vor. Depressiv-melancholisch geht es auch weiter, als Lena (Mahalia Slisch) ihren ersten Auftritt hat. In einem \u2013 wie ihr musikalisches Thema \u2013 an den Gothic der 80er Jahre angelehnten Outfit singt sie \u201eAuf dem Kirchhof will ich liegen\u201c. Ehe sie einen Fremden heiraten muss, will sie lieber sterben. Ihre Mutter (Selina Pudell) jedoch hat einen Plan: Sie fliehen gemeinsam. Gleichzeitig entfliehen auch Leonce und Valerio ihren Fesseln in Richtung S\u00fcden. Die im Hintergrund projizierten Wolken weichen nun einem leuchtenden Vollmond, der den vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt beleuchtet: Den versuchten Doppelsuizid der leidgeplagten Leonce und Lena \u2013 vereitelt von Valerio. In einem dramatischen Finale wird eine \u201evirtuelle Hochzeit\u201c zwischen zwei Robotern gefeiert. Nach Valerios tiefgr\u00fcndigem philosophischen Monolog \u00fcber Roboter, Liebe, Einzigartigkeit und Gesellschaft \u00a0finden die frisch verheirateten Leonce und Lena heraus, dass sie die beiden K\u00f6nigskinder, deren Verm\u00e4hlung an diesem Tag ohnehin stattfinden sollte, sind. Mit einem furiosen Tanz endet das St\u00fcck, begleitet von Valerios Sprachgesang. Nach den Verbeugungen und Dankreden schlie\u00dflich gibt es noch eine Zugabe: Die Besetzung tanzt noch einmal, allerdings hat Valerio seine charakteristische Baseballm\u00fctze mittlerweile an den Priester weitergereicht. Gemeinsam zeigen sie eine ausgefallene Choreographie mit Teilen aus dem \u201eGangnam Style\u201c oder auch \u201ePulp Fiction\u201c. Tosender Applaus ist derLohn f\u00fcr die jungen Darsteller. Roger Wilhelm gl\u00e4nzt an diesem Abend als emotional flexibler Leonce, \u00fcberzeugt in den melancholisch-kaltenPhasen ebenso wie in rasender \u00a0Wut. Jessica Erlebach beweist in ihrer Rolle als klassischer Narr eine kaum zu fassende B\u00fchnenpr\u00e4senz. Gewitzt, clever, niemals unterw\u00fcrfig und mit vollem K\u00f6rpereinsatz kann sie das Publikum f\u00fcr sich gewinnen. Mahalia Slisch, stets zwischen Todes- und Liebessehnsucht wandelnd, verleiht Lena eine starke Gestalt. Jan Pospischil zeigt eine gro\u00dfartige Leistung als K\u00f6nig Peter, schwankend zwischen infantilem Trotzkopf und entschlossenem politischem F\u00fchrer. Selbst die mit wenig Text ausgestatteten Nebenrollen k\u00f6nnen das Publikum begeistern: Amanda Konieczna (die K\u00f6nigin), Selina Pudell (Lenas Mutter), Marei Debertin (Rosetta), des K\u00f6nigs Hofstaat mit Alina Geilich, Christoph Wies, Mareike Berk, Jana Laska, Pascal Marggraf sowie Sean Vogel als Prediger verdienen sich H\u00f6chstnoten. Sabine Hartmann bezeichnete das Ergebnis als \u201eph\u00e4nomenal\u201c und Co-Spielleitung Christine Heinrich fand \u201edie Entwicklung der Schauspieler ganz toll\u201c. Ciupka erg\u00e4nzte, dass die Auff\u00fchrung \u201egut gelaufen\u201c sei. Wichtig sei f\u00fcr ihn gewesen, Figuren zu schaffen, in denen sich die heutigen Sch\u00fcler wiedererkennen k\u00f6nnten. Der Applaus spricht f\u00fcr seinen Erfolg.<\/p>\n<p>Quellenangabe: \u201eGT\u201c, 27.5.2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PREMIERE Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums entf\u00fchrt B\u00fcchners \u201eLeonce und Lena\u201c in die Neuzeit GELNHAUSEN. Wer den Leiter der Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums (GGG), Paul Ciupka, kennt, der wei\u00df, was ihn erwartet: Alles, nur keine Langeweile. 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