100 Gesichter der Romantik

Anlässlich der Vernissage des Fachbereichs Kunst (am 3.Mai 2019)

,,Phänomene treten immer infolge von prägenden und erschütternden Ereignissen auf.‘‘

Wir leben in Zeiten der Umkehr; Verstand, wie Vernunft finden sich seltener und moralische Erziehung scheinen nur noch die Älteren unserer Gesellschaft zu kennen. Wir entwickeln uns wieder zu einer sehnsüchtigen und subjektiven, individualisierten Gesellschaft, die für eine vollständige Erklärung zu komplex ist.

Kriege liegen hinter uns und vielleicht auch vor uns. Die Politik scheint sich von der Gesellschaft zunehmend zu distanzieren. Die Realität zeigt uns tagtäglich Schreckliches. Schwere Armut und kriegerische Auseinandersetzungen sind nur wenige der hunderten von Herausforderungen unserer Zeit. Die Zeit selbst scheint dabei immer schneller zu verlaufen; man muss funktionieren, ohne durch das Systemraster zu fallen.

So in etwa nehmen vermutlich nicht nur viele unter Ihnen heutige Entwicklungen wahr, es müssen auch die Menschen des späten 18. Jahrhunderts sich so gefühlt haben. Die damaligen Umstände sind den heutigen nur zu verblüffend ähnlich.

Die Französische Revolution war vorüber und hatte den Menschen ein neues Ausmaß der Grausamkeit gezeigt. Durch die wiederhergestellten Machtverhältnisse wie vor Napoleon, wurden Errungenschaften einfach aus den Händen fallen gelassen. Daneben waren die Menschen mit dem rasanten Fortschritt konfrontiert und wurden regelrecht von Grund auf als Maschinen neu konstruiert.

So scheint es nahezu selbstverständlich, dass sich der Mensch versuchte von der bitteren Realität zu entfernen und begann, sich eine eigene, bessere zu kreieren, wozu natürlich viel Fantasie und Kreativität gefordert war.

Dies galt auch für die meisten Schülerinnen und Schüler des Grimmels in den letzten Monaten, von Darstellendem Spiel, der Theater AG über Musiker bis hin zu jungen Künstlern.

Die Zielgerade des gesamten Romantik Projekts wird mit unserer Vernissage heute Abend eingeläutet.

An der bunten Palette von Werken, die Sie heute Abend sehen werden, können Sie diverse Motive der Romantik erkennen und diese dem Kitsch, der der Romantik leider oft zugeschrieben wird, entgegensetzen und selbst entscheiden, welches das wahre Gesicht der Epoche ist und was Romantiker tatsächlich ausdrücken wollten.

Dazu zählt märchenhaftes, das Spiel Gut gegen Böse, wie die Visualisierungen des russischen Volksmärchens ,,Der Feuervogel‘‘, die durch die 5.3 umgesetzt wurde, zeigt. Mal sind es Feen dann wieder feuerspeiende Geschöpfe, für die sich die Schülerinnen und Schüler faszinieren ließen und unbewusst eines der wichtigsten Motive der Romantik darstellten.

Die 6. und 9. Klassen verwirklichten Landschaftsgemälde im Stil Gabriele Münters und setzten das idyllische Naturbild der Zeit gekonnt in Szene, allerdings nicht typisch romantisch, sondern expressionistisch.

Das Thema Sehnsucht hingegen wurde von der siebten Klasse in Form moderner Pop-Art Selfies aufgebracht. Individuelle Werke Ihres Inneren selbst sind dabei entstanden.

Den Kreis schließt die Q-Phase mit dem Thema des Vor- und Nachbildes in Bezug auf romantische Werke. Der Individualismus der einzelnen Gestaltungen ist unverkennbar und spiegelt den Epochenkern wider: Der Mensch als gefühlsvolles, empfindsames Wesen im Mittelpunkt alles Geistlichen und Menschlichen. Das Genre der Hommage bewirkte dabei die gegenwärtige politisch- und gesellschaftskritische Neuinterpretation der romantischen Meisterwerke.

In den meisten Werken sind starke Tendenzen zu anderen Kunstepochen erkennbar, sei es ein surrealistischer Anschein der Nachbilder oder der expressionistische Stil der Landschaftsmalereien. Die Feststellung, dass es sich um eine Schlüsselepoche handelt, auf der folgende Epochen aufbauen erfordert die Öffnung des Romantik-Begriffs. Die Verwandtschaft zwischen Romantik und Surrealismus liegt dabei sehr nahe, es wird sich mit dem tiefst Inneren befasst. Der Kontrast zum Expressionismus hingegen zeigt das Wirken der Epoche über ihren eigenen Horizont hinweg.

Da sich die Werte und Interessen einer Gesellschaft immer in Abhängigkeit mit der Zeit und den darauf aufkommenden Umständen verändern, sieht man diverse Auffassung der Romantik durch die Werke der Schüler, als die der damaligen Epoche.  Das unterschiedliche Alter und die damit verbundene Reife und Lebenserfahrung führt zu unterschiedlichen Ansichten und Auffassungen auch innerhalb der Jahrgangsstufen, wie man in der märchenhaften Umsetzung der Schüler aus der 5. Klasse bis hin zu den Schülern der Oberstufe, die ihre moralischen Wertvorstellungen in ihre Werke mit einfließen lassen haben, sehen kann, was die Beschreibung nahe legt:

,,Die Romantik kann nicht nur ein Gesicht haben, sie hat hunderte. ‘‘

Erstellt von Katrin Lindenhahn, Mareike Buchberger, Maya Helm, Eileen Fischer und Lars Grillwitzer