In diesem Jahr stand der „literarische Weihnachtsbaum“ der Wissenschaftlichen Bibliothek unter einem besonderen Motto: „Erfinde Weihnachten neu!“ Alle Schülerinnen und Schüler waren eingeladen, Gedichte und Kurzgeschichten einzureichen, die zeigen, wie ein modernes, kreatives oder ganz anderes Weihnachtsfest aussehen könnte.
Die Resonanz war überwältigend. Von fantasievollen Winterabenteuern über futuristische Städte bis hin zu poetischen Naturbildern, das Grimmels hat eindrucksvoll bewiesen, wie vielfältig und originell Weihnachtsgeschichten sein können. Besonders häufig tauchten die Themen „Frieden, Freundschaft und Naturverbundenheit“ auf. Viele Texte stellten die Frage, was wirklich zählt, wenn Menschen zusammenkommen: nicht Geschenke oder Perfektion, sondern Gemeinschaft, Wärme und gegenseitiger Respekt.
Das Gedicht „Winterwende“ von Konrad Stallmann hat die Jury überzeugt
In seinem Werk beschreibt er ein Fest auf einem hohen Berg, fernab des üblichen Trubels. Dort sitzen Menschen gemeinsam an einem reich gedeckten Tisch, teilen Essen und Geschichten, während ein Lagerfeuer in der klaren Winternacht knistert. Ein Feuerwerk erhellt den Himmel, und am Ende reichen sich alle die Hände als Zeichen für Zusammenhalt und Hoffnung.
Konrads Gedicht schafft eine Atmosphäre, die sowohl ruhig als auch feierlich ist. Es erinnert daran, dass Weihnachten nicht an einen Ort gebunden ist, sondern überall entstehen kann, wo Menschen einander begegnen und füreinander da sind.
Der literarische Weihnachtsbaum zeigt uns: Weihnachten kann immer wieder neu gedacht werden. Und manchmal reicht schon ein Gedicht, um uns daran zu erinnern, wie schön es ist, gemeinsam zu feiern.
Winterwende von Konrad Stallmann
Es ist des Jahres dunkelster Tag, doch morgen wird es heller,
Drum hole ich wie jedes Jahr Raketen aus dem Keller,
Pack ein Kompott aus Äpfeln und eine Sahnetort
Und stapfe durch den Winter-Wald zu jenem selig Ort.
Hier tanzten wir zu Frühlings Start
Und auch zur Sonnenwende
Und danach auch nach Feen Art
Besangen wir Sommers Ende
Und Herbst-Beginn, die Nebligkeit und grad die alten Eichen
Und nun zum zwölften Mal im Jahr wir uns die Hände reichen.
Für manch ein ists das erste Mal, denn Zehn muss man schon sein,
Dann darf man auch zur Winterwende auf den hohen Stein.
Ich erreiche die Lichtung, hier ist schon was los,
Sonnenuntergang ist bald, die Stimmung ist famos,
Das Feuerholz hoch aufgeschichtet in der Lichtungsmitte,
Auf Tischen türmt sich Essen viel, das ist die alte Sitte
Die Dämmerung, nun setzt sie ein und endlich wird es Zeit,
Nun kommt auch das Waldesvolk aus seiner Waldsamkeit.
Die Sonne geht, der Mond kommt raus und nun beginnt das Fest
Mit Tanz ums Feuer, Zaubertee, Geschichte ist der Rest,
Stund um Stund gibt’s Feuerwerk,
Das Feuer scheint hoch wie ein Berg.
Mitternacht ist lang vorbei, die Lieder sind verweht
Und jeder, der nicht längst schon schnarcht, leise nach Hause geht.
Ich sitze noch am Feuer und leise halt ich Wacht,
Denn das Land, das mich umgibt, ist wieder mal erwacht.
Hoch oben steht der rote Mond und leise weht der Wind,
Es fällt sehr leise etwas Schnee, wie friedlich ich das find.