Kritzeleien an Hauswänden sind schon seit 79 n. Chr. aus Pompeji bekannt. Die Parolen waren schon immer Anlass zu Ärger und zu Verfolgung als Sachbeschädigung. Ihre Eigenarten sind das Diffamierende und Anonyme sowie der Anspruch auf eine Reviermarkierung. Seit den 1980-Jahren werden Jugendliche dazu verleitet, nachts mit Spraydosen an von vielen Menschen gesehene Orte zu ziehen, um ihre Komposition aus räumlich erscheinenden Buchstaben oder ihre Namen auf Wänden und öffentlichen Verkehrsmitteln zu hinterlassen. Leicht erreichbare und halböffentliche Orte an Betonwänden und Gebäudeflächen sind davon insbesondere betroffen.
Manche anonymen Street Artists wurden enttarnt und vor Gericht gestellt, da ihre Werke nicht als Kunst anerkannt wurden (z.B. Harald Naegeli), andere wurden von bekannten Galeristen unter Vertrag genommen, da ihre Werke doch als Kunst gesehen wurden (z.B. Keith Haring).
Seit den 1990-Jahren tauchten als Nachfolger der Graffiti markant gesetzte Straßenbilder auf, zum Beispiel gekachelte Computermännchen (space invadors) oder ans Publikum gerichtete Botschaften, die dieses entzücken sollen. Die meisten Akteure dieser Art des Graffitis blieben anonym.
So der Sonderfall Banksy, der zu poetischen Ausblicken verhalf und witzige Bilder, wie z.B. englische Polizisten in peinlichen Situationen, auf Häuserwänden platzierte. Manche seiner Kopien von bekannten Kunstwerken wurden mit ihren Banksy-typischen Merkmalen neben das Original ins Museum gehängt.
Street Art wurde auch für Politische Zwecke und Propaganda verwendet. In manchen Fällen mit und in anderen ohne Auftrag eines Systems. [MW1]
Unser Projekt
In Zusammenarbeit mit der Stadt Gelnhausen durfte die 8.2 im Namen der Street Art einen Stromkasten gegenüber der Stadtbücherei und eine Müllklappe beim Philipp Reis Museum mit Graffiti besprühen. Es wurden im Unterricht thematisch passende Schablonen angefertigt, die die Bücherei und den Outdoor-Escape Room des Museums über Zeitreisen und Philipp Reis veranschaulichen und Kreativität in triste Ecken bringen sollen. Bei dem Projekt gab es natürlich auch Schwierigkeiten, da jede Schablone ausführlich und genau gearbeitet werden musste und dafür nicht viel Zeit blieb.
Philipp Reis
Johann Philipp Reis (1834 bis 1874) war ein deutscher Physiker und Erfinder. Er wurde in Gelnhausen, Kurfürstentum Hessen, geboren.
Philipp Reis hat das erste funktionierende Gerät zur Übertragung von Tönen über elektrische Leitungen und im Zuge dessen das erste Kontaktmikrophon, welches 1861 zum internationalen Telephon wurde, erfunden. Außerdem erfand er die Rollschlittschuhe, eine frühere Form der Inlineskates.
Lina Hergenröther, 8.2
Die Ästhetik der „Street Art“
Klasse 8.2 des Grimmels auf den Spuren von Philipp Reis
Die Klasse 8.2 des Grimmels begab sich im bemerkenswerten Stadtmuseum Gelnhausen am Obermarkt auf die Spuren des visionären Erfinders Philipp Reis und einer subversiven Kunstform, Street Art: Gemeinsam wurden, inspiriert durch eine umfangreiche Einführung von Simone Grünewald, Ideen gesammelt, Entwürfe verworfen, neuüberlegt, gezeichnet und geschnitten. Die Schülerinnen und Schüler erkannten, dass Street Art einer sorgsamen Planung bedarf und Street Artists viel Zeit investieren müssen, um eine verschlüsselte Botschaft ästhetisch transportieren zu können (vgl. Bericht von Lina Hergenröther).
Das gemeinsame Projekt fand unter der künstlerischen Leitung von Kunstlehrerin Ekaterina Leo und in Begleitung der Klassenlehrerin Tine Heinrich und Pia Hadwiger (FSJ Kultur) zu Beginn des neuen Schuljahrs seinen Abschluss und kann nun am Museum Gelnhausen bewundert werden. Dabei wurden die jungen Künstlerinnen und Künstler nicht nur von Simone Grünewald von der Stadt Gelnhausen mit leckeren Backwaren verköstigt, sondern auch vom Gelnhäuser Bürgermeister Daniel C. Glöckner mit viel Lob unterstützt. Ein gelungener Abschluss zum Start ins neue Schuljahr…
Ekaterina Leo

