Die Teilnahme am deutsch-kanadischen Lehreraustausch zwischen der Provinz Alberta und dem Bundesland Hessen führte mich für 10 Tage an unterschiedliche Grund- und weiterführende Schulen nach Peace River, wo meine Austauschlehrerin, Mme Linda Cuillard-Labbé, lebt und arbeitet.
Nach 17-stündiger Anreise mit Gabelflug, Bahn und Auto erreichte ich die Kleinstadt Peace River, die etwa 500km nördlich von Edmonton liegt und 7000 Einwohner zählt. Tags drauf wurde ich an der Gastschule, Springfield Elementary School, sehr herzlich empfangen und startete mit diversen Unterrichtshospitationen in den Jahrgangsstufen 1 bis 4. Besonders interessant war neben dem fremdsprachlichen Aspekt der Einblick in die Grundschuldidaktik- und methodik. Einige Fächer werden in den Provinzen Kanadas bilingual unterrichtet. Die Schulen in Peace River bieten zahlreiche Fächer sowohl in Englisch als auch Französisch an. Viele Schüler wachsen zudem bereits zweisprachig auf, da auch in ihren Familien Englisch und Französisch gesprochen wird. Ihre Vorfahren siedelten im Zuge der Kolonialisierung von Québec in die weit entfernt liegenden Prärieprovinzen.
Im Rahmen des 10-tägigen Aufenthalts konnte ich auch an mehreren weiterführenden Schulen wie zum Beispiel der Peace River High School hospitieren, wo ich unter anderem über die parlamentarische Demokratie und die Flüchtlingskrise in Europa im Schulfach social studies berichtete. Ferner wurden mir dort Einblicke in den naturwissenschaftlichen Unterricht ermöglicht. In der TA Norris Middle School war ich mehrfach, da ich dort in diversen Klassen über unterschiedliche Regionen Deutschlands und über das Grimmelshausen Gymnasium berichtet habe. Ferner wurde gemeinsam mit einer Französischlehrerin ein interkulturelles Klassenprojekt mit Schülern aus Peace River und Gelnhausen geplant und initiiert. In einem ersten Schritt haben Schüler meiner 7. Klassen Steckbriefe erstellt, die die kanadischen Schüler zur Zeit meines Aufenthalts beantworteten. Die wertvolle Fracht wurde dann sicher in meinem Handgepäck verstaut nach Deutschland „verschickt“. Die Freude auf beiden Seiten war enorm, sodass weitere Projekte folgen, die einen medienbasierten interkulturellen Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern beider Länder ermöglichen sollen. Als nächsten Schritt stellen sich die Jugendlichen in einem virtuellen Rundgang wechselseitig ihre jeweilige Schule vor.
Auch aus kulturhistorischer Sicht war der Aufenthalt in Peace River eine Bereicherung. Ich habe vieles über die noch heute zum Teil sehr schwierige Situation der First Nations/Premières Nations (Ureinwohner Kanadas) erfahren. Zum einen wurde erst 1996 die letzte Residential School / École residentielle geschlossen. Dabei handelt es sich um Internat artige Schulen, in die Kinder der Ureinwohner zwangseingeschult wurden, um sie der „kanadischen“ Kultur anzupassen. Ebenso löste die Situation oftmals aufgrund von Gewaltverbrechen vermisster First Nations Frauen und die zum Teil geringe Aufklärungsquote besondere Betroffenheit aus.
Der Abschied in Peace River fiel mir nach dem freundschaftlichen, bestens organisierten und herzlichen Aufenthalt nicht leicht. Als Französischlehrerin interesseierte mich natürlich auch die Provinz Québec, die ich im Anschluss noch für einen Zwischenstopp besuchte. „Je me souviens…“ (Ich erinnere mich) steht dort auf den Nummernschildern der Autos geschrieben. Dies werde ich bestimmt…. schönes und faszinierendes Kanada!
Franziska Wöll





