Diese Gelegenheit wollte sich kaum jemand entgehen lassen: Die Erstpräsentation der noch druckfrischen Grafic Novel über Lotte Sondheimers Leben (1907-1942) – und noch dazu in ihrem Elternhaus. So war das Foyer in der „Villa Sondheimer“, die am Hang über der Stadt Gelnhausen liegt, an diesem Abend nicht nur hell erleuchtet, sondern auch bis auf den letzten Platz ausgebucht.
Vorausgegangen war ein Jahr intensiver Recherchearbeit der heute zwischen 16 und 19 Jahre alten Schülerinnen und Schüler zum Leben der Gelnhäuser Jüdin Lotte Sondheimer, bevor die Ergebnisse und Eindrücke dann gemeinsam mit der Berliner Künstlerin in die Bildsprache einer Grafic Novel übertragen wurden. Begleitet und unterstützt wurde das Projekt von den Arolsen Archives und ist darüber hinaus eingebunden in das internationale, von EuroClio organisierte Projekt mit dem Arbeitstitel „Facts not fiction“.
Voller Spannung hatten die Projektmitglieder den Abend erwartet, zu dem Birthe Pater, Leiterin des Bildungsressorts der Arolsen Archives, die noch druckfrischen Exemplare der Grafic Novel mitbrachte. „Wir sind begeistert von der Wirkung des Großformats, der hohen Druckqualität und dem professionellen Layout“, so Christine Bischoff, „und danken den Arolsen Archives sehr für die Unterstützung und Übernahme der Druckkosten.“
Vor gut fünf Jahren hatte Andrea Diallo, die Geschichte, Rechtskunde und evangelische Religion am Grimmelshausen-Gymnasium unterrichtet, über das Projekt „Every name counts“ eine Bildungspartnerschaft mit den Arolsen Archives aufgebaut.
Die Schülerinnen und Schüler präsentierten ihren Gästen an diesem Abend ein vielfältiges Programm. Felix Ortmann stellte die Rechercheergebnisse in einer eindrucksvollen Präsentation vor und Amelie Wiesbrock und Anna Pleyer gaben Einblick in die Arbeitsweise der Projektgruppe. Diese wurde dann mit dem Kurzfilm des Fotografen und Grimmels-Absolventen Julian Zink für alle erlebbar. Für ein wunderbares und berührendes musikalisches Rahmenprogramm sorgten die Projektteilnehmerinnen Amelie Wiesbrock, Yvonne Opalla, Kathleen Heinz und Alisson Ochmann, unterstützt von Sebastian Eichenauer.
Als Höhepunkt des Abends bot die Theater AG unter der Leitung von Tine Heinrich mit einer szenischen Lesung einen eindrucksvollen Einblick in die Grafic Novel.
Das Grimmels bedankt sich für die Gastfreundschaft des Architekten Stefan Bohlender, der seit einigen Jahren seine Büroräume in der geschichtsträchtigen Villa unterhält. Die Tatsache, dass der Abend in Lottes elterlicher Villa stattfinden konnte, wo ihre Mutter Gertrud vor rund 100 Jahren einen künstlerisch-literarischen Salon unterhalten hatte, verlieh dem Abend eine ganz besondere Aura.
(Aura heißt übrigens auch die neue Lernplattform der Arolsen Archives, auf der ab Ende Februar die Grafic Novel „Wo ist Lotte?“ auch digital abgerufen werden kann. Wir werden berichten.)
Vor Ort können Exemplare auch im Geschäftszimmer des Grimmelshausen-Gymnasiums und in der Brentanobuchhandlung in der Langgasse erworben werden.
Betreuende Lehrkräfte: Christine Bischoff und Lukas Walz
Bilder: Julian Zink