Quelle: Gelnhäuser Neue Zeitung vom 3.5.2016
Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums zieht mit Sketch, Tanz und Gesang alle Register
Gelnhausen (jas). Dadaismus – wem ist dieser Begriff noch bekannt? Das Schultheater des Grimmelshausen-Gymnasiums Gelnhausen zielte mit seiner Aufführung in der Aula darauf ab, seinem Publikum die Facetten des „Cabaret Voltaire“ näherzubringen. Dabei drehten sich die Programmpunkte, angeordnet als Collage, um Kurt Schwitters‘ „Anna- Blume“-Gedicht, interpretiert als Liebeslyrik. Dabei trat Anna Blume mehrfach in verschiedenen Gestalten auf. Am Freitag- und Samstagabend stellten die 16 Schauspieler die Freiheit der Kunst in Form von Sketch, Tanz und Gesang vor. Paul Ciupka und Christine Heinrich übernahmen die Spielleitung.
Sabine Hartmann, Fachbereichsleiterin für Sprachen und künstlerische Fächer, begrüßte die Gäste und leitete in die kommenden zwei musikalisch-literarischen Stunden ein. „Sie erwartet ein besonderer Abend“, kündigte sie an. Im Voraus bedankte sie sich bereits für die fleißigen Akteure, die trotz Abitur-Belastungen ein außerordentliches Engagement zeigten.
Sobald die Musik erklang, ging es los. Zum Lied „DaDaDa“ von Trio erschienen die merkwürdigsten Gestalten auf der Bühne. Der Programmpunkt „Was ist dadaistisch?“ sollte die Zuschauer auf den Abend vorbereiten und ihnen den Dadaismus erklären. Bunt kostümiert mit Tiermasken oder einer Pappröhre, warf jeder ein, was der Begriff bedeuten könnte. Denn eine genaue Lösung gibt es nicht. Dadaismus war ja immerhin eine internationale künstlerische Bewegung, die 1916 in Zürich begann. Die Szene glitt über in den Auftritt der Ordnungspolizei. Bei dieser gesanglichen Einlage schafften die Polizisten alle Darsteller von der Bühne. Nur einer wollte sich nicht verhaften lassen. In dem Kümmernisspiel von Kurt Schwitters nahmen die Akteure Bezug zur aktuellen Situation um Jan Böhmermann. Trotz der Folter mit dem „Merkel-Kissen“ und dem „Erdogan-Sessel“ gestand der mit Anzug gekleidete, souveräne Böhmermann einfach nicht.
Als Nächstes wandte sich eine Schauspielerin für eine fünfminütige Sitzung wegen eines Argumentes an die „Argument-Klinik“, frei nach Monty Python. Doch nachdem sie mit Brüllern und Beleidigungen empfangen wurde, merkte sie, dass sie sich im Zimmer vertan hatte. Sie stand im Büro für Beschimpfungen. Im Zimmer 12a bestand die Sitzung einzig aus Widersprüchen. „Eine Argumentation besteht nicht nur aus Widerspruch“, eine Diskussion begann. Bei der Frage ums Bezahlen ging es glatt so weiter: „Ich habe schon bezahlt“ – „Nein, haben Sie nicht!“. Das Publikum lachte über dieses Hin und Her. Der Punkt „Rollstuhlballett“ war eine Tanzperformance mal auf eine ganz andere Art und Weise. Drei Mädchen kamen erst mit aktuellen Hits hereingerollt und tanzten dann mit und auf dem Bürostuhl Ballett, mit Sprüngen, Drehungen und Gruppenfiguren. Die Gäste waren von diesem Auftritt begeistert.
Die „Anna-Blume-Show“ erinnerte an eine moderne Castingshow aus dem Fernseher. Drei verschiedene Frauen traten nacheinander auf und bewiesen sich im Rap, in der klassischen Oper und als Rockerbraut. Mit viel Selbstbewusstsein überzeugte jede Sängerin das Publikum. Auf die Frage „Wer ist Anna Blume?“ konnte auch keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden. Wie in dem Original-Gedicht ist es frei interpretierbar. Anna Blume könnte alles und jeder sein, zeigten die Darsteller. Sogar ein „Döner ohne Zwiebel“.
Rendezvous mit einem Eisbären
Weitere Stationen des Abends waren die zwei Teile der „Blackmail- Show“, dessen Moderatoren durch Drohung und Erpressung an eine Menge Geld kommen wollten. Nach dem „Schattenspiel“, frei nach einem szenischen Fragment von Kurt Schwitters, und „Ausschlachtung“ leitete eine Rock ’n ’Roll-Tanzeinlage die 25- minütige Pause ein. Es gab genug Zeit zum Erholen, Unterhalten, Essen und Trinken. Dieses Jahr halfen die Leistungskurse Q2 Englisch, Deutsch und Mathe an der Theke aus.
Mit dem zweiten Teil der „Blackmail-Show“ ging es weiter. Diesmal zeigten die Moderatoren ein Video, in dem eine verdächtige Frau sich mit einem Eisbären zu Hause traf. Der Ehemann der Frau rief an, und somit begann „Der Zoobär erster Teil“. Bislang wollte der Eisbär zurück in den Zoo. „In meinem Käfig bin ich frei“, meinte er. Doch die Frau hatte ihn schon so vermenschlicht, das ihm keiner mehr glaubte. Erst als Anna Blume schick in einem roten Kleid erscheint, möchte Mr. Bär doch nicht mehr in seinen Käfig. Während die zwei Turteltauben in einem Café saßen, spielte die Abiband mit Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und Gesang „Lasse reden“ von den Ärzten. Dabei schmunzelten die Gäste einige Male über die einstudierten Schritte, die zum deutschen Text passten. Mit „Eisbär“ von Grauzone endete ein lustiger Abend rund um den Dadaismus.
Während des Lieds „Dear Future Husband“, gesungen von Jessica Erlebach, Schauspielerin und Sängerin der Abiband, kamen nochmal alle Darsteller, inklusive dem kompletten Team, auf die Bühne, um sich feiern zu lassen. Nach der Blumenübergabe sprachen auch die aktuellen Akteure und die ehemaligen Teilnehmer ein großes Dankeschön an ihren Spielleiter Paul Ciupka aus, der dieses Jahr seine letzte große Produktion übernommen hatte. Im nächsten Jahr wird er nur noch Christine Heinrich unterstützen, die die Theater-AG zukünftig übernehmen wird. Deshalb gab es zum Schluss noch ein kurzes Video mit Ausschnitten aus den früheren Theaterauftritten.
Vor einem knappen Jahr begannen die Proben für das einzigartige Stück. Dabei interessierten sich die Darsteller mal für etwas ganz anderes als die herkömmlichen Inhalte. Somit entstand langsam die Idee, eine dadaistische Soiree im Stil des „Cabaret Voltaire“ nachzugestalten. Dabei folgten sie den Darstellungen von Hans Richter, Raoul Hausmann und den Tagebüchern von Hugo Ball. Letztendlich aber konzentrierte sich die AG nicht nur auf Texte aus dem dadaistischen Umfeld, sondern auch auf die „Monty Pythons“ im Bereich der Komik und des Kabaretts. Musikalisch orientierten sie sich an der „dadaistischen Phase“ der deutschen Popmusik.
